Andrea´s Gedankenbilder

 

 

 

 

 Nebelflüstern

 

Abends, wenn der Vollmond und die Nacht sich begegnen, dann mach es dir am Seeufer bequem.

Wenn der Nebel sich wie eine Decke über das dunkle Wasser legt, die

Tiere keinen Laut mehr von sich geben und die plötzlich auftretende

Stille ein Dröhnen in den Ohren zu verursachen scheint, dann öffnet

sich dein sechster Sinn und es wird notwendig, die Realität für kurze

Zeit wegzuschließen.

 

Nach wenigen Augenblicken verabschiedet sich das Summen in deinem

Ohr und geht über in ein Plätschern.

Ein Plätschern, das der Nebel freigibt.

Das Seegras, das sich aus der Starre löst und sich den Bewegungen

des Wassers anpasst.

 

Ein leises Flüstern; von Kindern so scheints, ganz nah an deiner

Seite und doch scheint einzig das Erahnen der Schatten ihre

Anwesenheit zu begründen.

Das Raunen, das sich durch das Seegras in Richtung Ufer bewegt,

geht nahtlos über in kindliches Gelächter und irgendwann meinst du

nach Aufbietung all deiner Vorstellungskraft und Fantasie das eine

oder andere Wort zu erhaschen.

 

Du bemerkst, dass man sich deiner Aufmerksamkeit bedient und lässt

es zu. Aus den Augenwinkeln heraus siehst du sie; doch sieh ihnen

nicht direkt in die Augen; stell die Verbindung nicht her!

Du weißt warum!

 

Sie würden es nicht begreifen! In ihrer Welt existierst du nicht.

Noch nicht!

 

In vielen Jahren, wenn die Nacht erneut auf den Vollmond trifft und

der Nebel wie einst den See bedeckt; erst dann wirst du dich ihnen

 anschließen.

 

 

 

Autorin: Andrea Waschmann